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Ein weiterer Aspekt zu Brüderlichkeit – Freiheit – Gleichheit

Aus Rudolf Steiner: GA 185, „Geschichtliche Symptomatologie“, S.39 / 40.
Rudolf Steiner Verlag, Dornach / Schweiz, 1982.

„Diese Französische Revolution, sie bringt herauf drei, man kann sagen, aller berechtigte Impulse des menschlichen Lebens: das Brüderliche, das Freiheitliche, das Gleiche. Aber ich habe schon einmal bei einer anderen Gelegenheit charakterisiert, wie widersprechend der eigentlichen Menschheitsentwickelung innerhalb der Französischen Revolution diese Dreiheit auftrat: Brüderlichkeit, Freiheit, Gleichheit. Man kann, wenn man mit der menschlichen Entwickelung rechnet, von diesen dreien, von Brüderlichkeit, Freiheit, Gleichheit, nicht sprechen, ohne dass man in irgendeiner Beziehung von den drei Gliedern der Menschennatur spricht.“

Brüderlichkeit

„In Bezug auf das leibliche Zusammenleben der Menschen muss die Menschheit allmählich gerade im Zeitalter der Bewusstseinsseele aufsteigen zu einem brüderlichen Element. Es würde einfach ein unsagbares Unglück und eine Zurückwerfung sein in der Entwickelung, wenn am Ende (…) des Zeitalters der Bewusstseinsseele, nicht wenigstens bis zu einem hohen Grade unter den Menschen die Brüderlichkeit ausgebildet wäre. Aber die Brüderlichkeit kann man nur richtig verstehen, wenn man sie angewendet denkt auf das Zusammenleben von Menschenleib zu Menschenleib im physischen Sein.“

Freiheit

„Steigt man aber herauf zum Seelischen, dann kann die Rede sein von der Freiheit. Man wird immer im Irrtum darinnen leben, wenn man glaubt, dass sich Freiheit irgendwie realisieren lässt im äußeren leiblichen Zusammenleben; aber von Seele zu Seele lässt sich Freiheit realisieren.

Man darf nicht chaotisch den Menschen als eine Mischmasch-Einheit auffassen und dann von Brüderlichkeit, Freiheit und Gleichheit sprechen, sondern man muss wissen, dass der Mensch gegliedert ist in Leib, Seele und Geist, und muss wissen: Zur Freiheit kommen die Menschen nur, wenn sie in der Seele frei werden wollen.“

Gleichheit

„Und gleich sein können die Menschen nur in Bezug auf den Geist. Der Geist, der uns spirituell ergreift, der ist für jeden derselbe. Er wird angestrebt dadurch, dass der fünfte Zeitraum, die Bewusstseinsseele, nach dem Geistselbst strebt. Und mit Bezug auf diesen Geist, nach dem da gestrebt wird, sind die Menschen gleich, geradeso wie, eigentlich zusammenhängend mit dieser Gleichheit des Geistes, das Volkssprichwort sagt: Im Tode sind alle Menschen gleich.“

Brüderlichkeit – Freiheit – Gleichheit

„Aber wenn man nicht verteilt auf diese drei differenzierten Seelenglieder Brüderlichkeit, Freiheit und Gleichheit, sondern sie mischmaschartig durcheinander wirft und einfach sagt: Der Mensch soll brüderlich leben auf der Erde, frei und gleich sein –, dann führt das nur zur Verwirrung.“ 2


1) Vortrag vom 2. Oktober 1916, GA 171, „Innere Entwickelungs¬impulse in der Menschheit. Goethe und die Krisis des 19. Jahrhunderts.“

2) Zum Beispiel Artikel 1 der UN-Menschenrechte: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“